Wir leben in Zeiten des Umbruchs – nicht nur, aber auch in der Kirche. Wer wollte das bestreiten? Der Salzburger Theologe Martin Dürnberger sagt: Besonders in solchen Umbruchzeiten kommt die Frage nach der Identität auf: Christinnen und Christen fragen gerade jetzt, was christliche Identität ist.
Papst Leo stellt die Frage im Blick auf die Künstliche Intelligenz. Mit dem Titel seiner „KI-Enzyklika“ Magnifica Humanitas spielt er auf das Magnifikat an, den großen Lobgesang Marias, der zu den Kerntexten des Festes Maria Himmelfahrt gehört.
Das Problem an der KI ist nicht in erster Linie die Technik. Das Problem ist, dass KI unsere Optimierungsfantasien beflügelt: Unter 100 Prozent ist in Wirtschaft und sogar im Privatleben nichts mehr in Ordnung. Nur wer perfekt funktioniert, ist etwas wert. Freilich: „Wer bloß zu etwas gut ist, ist spätestens dann zu nichts mehr nütze, wenn er nicht mehr mithalten kann“. (Martin Dürnberger) Das ist die Kehrseite.
Die Vorstellung, dass wir immer besser werden müssen, hat fast jede und jeden erreicht. Selbstoptimierung greift tief ins persönliche Leben ein: Wie oft schauen Sie auf den Schrittzähler am Armband oder im Handy – und ärgern sich, dass die 10 000 Schritte wieder nicht erreicht sind? (Ich mache das täglich wenigstens 3 bis 4Mal) Mit welcher App lassen Sie Ihren Schlaf überwachen, um ihn möglichst erholsam zu gestalten? Welches KI Programm nutzen Sie, um Ihre Mails zu bearbeiten?
Was macht unsere Identität aus in der Zeit des Übergangs, in der wir noch glauben und in der vieles im Übergang ist? Papst Leo und das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel antworten: Es ist das Menschliche. Es ist das Menschliche, das uns gerade da begegnet, wo Menschen nicht perfekt sind: wo sie nicht besonders gut aussehen, wo sie krank und alt sind, nicht arbeiten können, an Leib und Seele beschädigt sind.
Maria sagt: Gott schaut auf das Niedrige und gibt ihm Ansehen. An Maria Himmelfahrt sehen wir: dieses ganz Menschliche und oft Beschädigte holt Gott zu sich. – Mit dieser Botschaft können Christinnen und Christen auch in Zukunft in unserer Welt präsent sein. Diese Botschaft braucht unsere Welt. Und sie braucht sie durch uns. Durch unser Leben.
Pater Friedrich Emde SDS
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