Wer kennt das Bild nicht: Ein Schäfer zieht mit einer großen Herde Schafe von Weideland zu Weideland. Die Schafe kennen seine Stimme. Er ruft sie – und sie folgen ihm….
Der Beruf des Schäfers ist ein uralter Beruf, auch wenn dieser heute längst nicht mehr so verbreitet ist wie früher. Gelegentlich sind es heutzutage auch Schäferinnen, die sich diesen Beruf gewählt haben. Der Beruf des Schäfers/ der Schäferin ist ein Beruf voller Fürsorge, Sorge und intensiver Pflege der ihnen anvertrauten Herde. Die Schafe folgen ihm/ihr „blind“, denn sie wissen, dass sie sich auf ihren Schäfer, auf ihre Schäferin, voll und ganz verlassen können.
Der 4. Ostersonntag wird auch als „Sonntag des guten Hirten“ bezeichnet. Das Evangelium des 4. Ostersonntags beschreibt Jesus als den guten Hirten (Joh 10, 1-10). Seine „Herde“ sind die Menschen, die sich ihm anvertrauen, ihm vertrauen, auf seine Stimme hören und in seiner Nachfolge stehen. Welch ein hoher Anspruch. Welch eine hohe Erwartung an Jesus. Zugleich zeigt sich Jesus hier nicht als Lehrmeister oder gar als Herrscher, sondern als ein Dienender. Jesus müht und bemüht sich um seine „Herde“ die ihm nachfolgt, für die er Verantwortung übernommen hat und trägt. Mit allen Konsequenzen und mit allen Bedingungen – bis hin, dass er sein Leben für sie hingibt. Eine gewaltige und überwältigende Hingabe. Wer zu seinem Volk und zu seiner Gemeinde gehören möchte, kommt an Jesus und seiner Botschaft nicht vorbei. Er ist die Tür; er ist der Schlüssel zum auserwählten Volk Gottes; er ist die Tür zu einem „Leben in Fülle“ (Joh 10,10); er ist die Tür, die zu Gott, seinem Vater, führt.
Die Kirche hat das Bild des Hirten für das Bischofsamt übernommen. Äußeres Symbol dieses Amtes ist der Hirtenstab, den der Bischof bei offiziellen Anlässen trägt.
Zurück zum Bild des Hirten als Schäfer mit seiner großen Schafherde. Der Hirte darf sich nicht als Herrschender, als Bestimmender über seine Herde zeigen, sondern als Dienender für seine Tiere, die ohne ihn schutzlos und vielen Gefahren ausgeliefert sind. Die Tiere lohnen ihm diese Fürsorge mit Vertrauen, mit Gehorsam und Treue.
Hier ist Leben und Lebendigkeit in aller Schlichtheit und Einfachheit spürbar. Hier geht es nicht um materiellen Reichtum und Besitztum, sondern um den innersten Kern allen Lebens: um das Geschenk der Liebe. Diese Liebe mit dem großen bedingungslosen Vertrauen lässt sich nicht käuflich erwerben. Es ist ein pures Geschenk und erfordert ein Sich-Öffnen und ein Sich-Einlassen ohne Wenn und Aber. Nur so wird ein echter Weg zu einem Leben in Fülle gelingen.
Petra Miller
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