Öffentliche Debatten nehmen oft einen sehr scharfen Ton an. Meinungsverschiedenheiten können rasch in einen Shitstorm eskalieren. Und wir erleben zur Zeit tagtäglich, was solche eskalierende Sprache bewirkt: Feindschaft und Krieg.
Schon die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel weiß: Sprache hat eine ungeheure Kraft. Mit gemeinsamer Sprache kann man den Himmel stürmen. Nichts scheint unmöglich. Freilich: Die Sprache ist auch zerstörerisch. Sie kann in ihr Gegenteil umschlagen, wenn sie zum Machtapparat wird.
Die Geschichte vom ersten Pfingstfest erzählt eine Gegengeschichte: Sprache vereint Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Was in Babel getrennt wurde, kommt wieder zusammen. Symbol dafür ist in der Pfingstgeschichte die Aufzählung der Völker aus der gesamten damals bekannten Welt.
Die Dichterin Hilde Domin spricht einmal von den „schwarzen Wörtern“, die sicherer als ein scharfes Messer ihr dunkles Ziel erreichen. – Das ist die eine Seite!
Daneben hat die Sprache aber auch die Macht, zu trösten, mich aufzubauen, den Tag zu retten. – Es gibt das gute Wort, das mich lange begleitet und mich aufatmen lässt.
An Pfingsten bitten Christen um die Gabe des Heiligen Geistes. Das ist gefährlich und das ist entlastend.
Gefährlich deshalb, weil dieser Heilige Geist meinem eigenen Geist zuwiderlaufen kann. Wenn ich bete, der Geist möge „Sinne und Gemüt entzünden“, dann kann das tatsächlich passieren. Dann kommen auf einmal andere Gesichtspunkte in mein Leben, die ich noch nicht auf dem Schirm hatte.
Entlastend ist das Gebet um den Geist, weil es sagt: Nicht alles hängt von meinem Geist und Verstand ab. Ich muss nicht alle Probleme dieser Welt austüfteln. Ich darf darauf vertrauen, dass Gottes Geist diese Welt erfüllt – mal gewaltig in Feuer und in Sturmesbraus. Mal als innere Kraft, die tröstet und belebt.
Es geht nicht darum, eine Einheitssprache zu sprechen. – Das haben die Apostel an Pfingsten auch nicht getan. Es geht darum, verstanden zu werden und sich gegenseitig zu verstehen. Das ist das Pfingstwunder und daraus entsteht Neues.
An Pfingsten beten: Herr, sende Deinen Geist aus und erneuere das Antlitz der Erde – dieser Erde. Möge es wahr werden.
Pater Friedrich Emde