Bischof Ulrich von Augsburg

Der hl. Kaiser Heinrich II. (973-1024) ließ sich in einem prachtvoll gestalteten Missale übergroß als Herrscher der Welt darstellen. Aber zu seinen Seiten stehen die heiligen Bischöfe Ulrich und Emmeram, jeder mit beiden Händen seine Arme hilfreich stützend. Vielleicht mag es überraschen, dass Ulrich schon kurz nach seinem Tod in einer derartig exponierten Position dargestellt wird. Doch betrachten wir sein Leben näher!

Ulrich wuchs in einem schwäbischen Adelsgeschlecht auf und kam mit 10 Jahren zur Ausbildung nach St. Gallen. Eine kirchliche Laufbahn zeichnete sich ab. Doch 909 – Er war gerade 18 Jahre alt. – wurde sein Vater in Frankfurt ermordet. Nun unterstützte er seine Mutter bei der Verwaltung des elterlichen Besitzes. Er war gefordert, geistliches Leben und Wirtschaften in Einklang zu bringen. Hier lernte er, was er dann als Bischof von Augsburg dringend benötigte und auch gekonnt einsetzte.

Ein denkwürdiges Datum ist das Jahr 926. Wieder einmal ziehen die Ungarn plündernd durch das Alpenvorland und stehen vor Augsburg. Doch dieses Mal gelingt es ihnen nicht, die Stadt zu erobern. Denn Ulrich war da drei Jahre zuvor 33-jährig Bischof geworden. Vielfältig hatte er Stadt und Bistum auf diesen Ernstfall vorbereitet. Weiter sorgte er – auch mit seinem eigenen Besitz – für Menschen in Not. Er vertiefte den inneren Frieden und befestigte die Stadt. Dieses Bollwerk konnten die heranstürmenden Ungarn nicht (mehr) überwinden. Nun kamen ruhigere Jahre.

Doch die Völkerwelt war noch nicht zur Ruhe gekommen. Zwischen dem erstarkenden Frankenreich mit Otto I. als König und den Schwaben und Baiern gab es Spannungen. 953 kam es zum Aufstand. Bischof Ulrich hielt dem Frankenkönig die Treue. Mehr noch: Es gelang ihm, den Frieden wieder herzustellen. Das war die Voraussetzung, dass einige Jahre später Otto I. zum Kaiser gekrönt werden konnte.

Historiker vermuten, dass die Ungarn von den Unruhen im Voralpenland gehört haben. Jedenfalls fielen sie 955 plündernd und brandschatzend mit starker Heeresmacht ein. Anfang August erreichten sie Augsburg. Der Besatzung um den Bischof Ulrich gelang es, sie hinzuhalten, bis König Otto mit seinen Verbündeten ankam und die Schlacht auf dem Lechfeld für sich entschied. Damit war die Ungarnplage beendet. Im Umland konnte der Wiederaufbau beginnen. Bischof Ulrich verlegte sich noch mehr auf ein gediegenes spirituelles Leben. Wichtig war ihm eine lebendige Liturgie. Deshalb errichtete er auch neue Kirchen und Klöster.

Blicken wir über den Tellerrand hinaus: 50 Jahre lang leitete Ulrich das Bistum Augsburg. Sein Wirken trug entscheidend dazu bei, dass die Ungarn sesshaft wurden und zu ihnen die ersten Missionare entsandt werden konnten. Schon wenig später ließ sich ihr König Stephan taufen und unterwarf sich dem römischen Kaiser deutscher Nation. Spätestens da zeigte es sich: Bischof Ulrich war ein Werkzeug Gottes für den Frieden – wie ihn das Missale Heinrichs II. darstellte. Gleichzeitig war Ulrich sein großes Vorbild und trug stark bei,  der christlichen mittelalterlichen Ordnung Gestalt zu geben.

Text u. Foto: P. Georg Fichtl SDS